2. Juni 2015: Rede an der Delegiertenversammlung der wgn (Wohnbau-Genossenschaft Nordwest) zum Thema «30 Jahre Theo Meyer»
Lieber Vorstand,
Lieber Theo,
Liebe Genossenschafterinnen und Genossenschafter,
Meine Damen und Herren
Am 22. Juni soll in Basel eine neue Wohnbaugenossenschaft gegründet werden, «Wohnen & mehr». Ganz nach dem Vorbild des wgn geht es um die Bebauung eines grösseren Areals, das Areal des Felix Platter-Spitals, das der Regierungsrat ganz den Genossenschaften zur Verfügung stellen will. Dass dies in der Öffentlichkeit auf Anklang stösst, der gute Ruf, den Genossenschaften haben, das ist ganz stark Persönlichkeiten wie Theo Meyer zu verdanken und der Erfolgsgeschichte seines wgn in den letzten 30 Jahren.
1983 wurde von 45 Wohngenossenschaften der Region der Wohngenossenschaftsverband Nordwest – kurz wgn – gegründet, für die Schlachthofüberbauung.
In Anwesenheit von 29 Teilnehmern fand am 7. April die Gründungsversammlung statt. Das einbezahlte Anteilscheinkapital betrug damals 660ʼ000 Franken. Zum Vergleich: Heute sind das 25 Millionen!
Theo leitete den Dreierausschuss, der die ersten Geschäfte in Angriff nahm. Theo war damals Banker beim Bankverein in der Abteilung Hypothekarkredite. Auf seinem Töffli fuhr er zu den Häusern, die er für seinen Arbeitgeber schätzen musste, wie es in der schön gestalteten Broschüre über das 30-jährige Wirken von Theo heisst. Ich kann mir das bestens vorstellen!
1988 wurde Theo Präsident des wgn, damit begann die Ära Meyer, die im Genossenschaftswesen in Basel tiefe Spuren hinterlassen hat.
Der wgn ist heute die grösste Wohnbaugenossenschaft der Region mit 250 Mitgliedern und fast 700 Wohn- und Gewerbeobjekten. Seit 2001 gibt es eine Trennung von Geschäftsstelle und Präsidium, Letzteres gibt Theo nun ab.
«In den letzten Jahren wurde der Ruf der Genossenschaften nach Abgabe von Land vom Regierungsrat sehr wohl gehört, etliche Areale wurden abgegeben. Auch sonst wurde die Zusammenarbeit intensiviert.»
In den letzten Jahren wurde der Ruf der Genossenschaften nach Abgabe von Land vom Regierungsrat sehr wohl gehört, etliche Areale wurden abgegeben und in den nächsten Jahren, bis Ende 2017, werden nach bisheriger Planung rund 280 neue Wohnungen entstehen, gebaut von Genossenschaften. Auch sonst wurde die Zusammenarbeit intensiviert. Mit dem zusammen mit den Genossenschaften ausgearbeiteten «partnerschaftlichen Baurechtsvertrag plus» und dem Wohnraumfördergesetz wurden weitere Anreize geschaffen für den genossenschaftlichen Wohnungsbau in Basel.
Für die Areale, die in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen werden, braucht es jetzt aber zusätzlich einen neuen Player, grösser als die bestehenden einzelnen Genossenschaften, und auch der wgn kann nicht alle Areale bebauen, z.B. das vorhin schon genannte Felix Platter-Spital oder das Areal der Stadtrandentwicklung Nordwest. Und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass auch am Stadtrand Ost mittelfristig Wohnraum in einem mittleren Preissegment entstehen wird, es müssen ja keine Hochhäuser sein.
Nun muss Theo kürzertreten, früher, als er dies wohl möchte, früher, als es aufgrund seiner unermüdlichen Begeisterung für Immobilien, Wohnen, Bauen angezeigt wäre. Theo «stinkt» es nicht – wie dies nach 30 Jahren durchaus möglich wäre!
Jedes Haus ist anders, die Umgebung, in der es entsteht, die Umstände, die zu beachten sind, die Menschen, die einmal darin wohnen werden. Theo baut Häuser für Menschen, für Menschen, die auf erschwinglichen Wohnraum angewiesen sind, Wohnraum, der aber gleichzeitig lebenswert ist. Theo geht es nicht um Immobilien als Anlageobjekt. Was nicht heisst, dass Theo Zahlen egal sind, er kalkuliert aus dem Effeff, kann Risiken einschätzen, weiss, was realisierbar ist und was nicht. Aber das ist Mittel zum Zweck. Und genau darum hat sich der wgn so erfolgreich entwickelt.
Meine Zusammenarbeit mit Theo ist zum Glück noch lange nicht vorbei. Ich freue mich auf die weiteren Jahre, die ich in der Verwaltungskommission der Gebäudeversicherung auf Theos enorme Erfahrungen mit Immobilien zählen darf. Offenbar sind wir dort nicht allzu kompliziert, nicht zu verwaltungslastig, oder Theo ist mit den Jahren doch auch etwas milder geworden … Überhaupt dämmert mir erst allmählich, dass Theo eigentlich unglaublich nett ist zu mir, gehöre ich als Regierungsrätin doch zu einer Kategorie, die nun nicht gerade seine höchsten Sympathien geniesst.
Bestimmt nicht wegen nichts dichtete Margrit Spörri am Weihnachtsessen von letztem Jahr, um ihm das Kürzertreten schmackhaft zu machen, die folgenden Zeilen:
Die Bloogerey mit Advokate, Architekte,
mit Styyr und Ämter und so Sekte,
mit Ärbslizeller und so Sache,
das selle jetz die andere mache.
Da hat Margrit Recht – es ist nur gut und recht, dass sich Theo nach 30 Jahren nur noch die Sachen rauspickt, die er möchte und die ihm am meisten am Herzen liegen.
Dazu gehört sicher die neue Wohnüberbauung in der Schoren. Das Land hatte der Kanton in harten Verhandlungen von Novartis erworben, um genossenschaftlichen Wohnungsbau zu ermöglichen. Und dann stellte sich heraus, dass keine Wohngenossenschaft in Basel bereit und in der Lage war, dort zu investieren. Theo ist es zu verdanken, dass der wgn – trotz anderer grosser Projekte – kurz entschlossen eingesprungen ist und die neuen Genossenschaftswohnungen bauen wird. Dieses unkomplizierte Engagement ist es, das wir alle an Theo schätzen.
Neben der Begleitung des Projekts Schoren – das ein tolles Projekt werden wird, rund 97 neue Wohnungen und gute Architektur – wird er den Hilfsfonds präsidieren, den der wgn, also Theo, 1993 gegründet hat. Sein ehemaliger Arbeitgeber machte eine grosszügige Spende und der wgn schoss 600ʼ000 Franken ein. 1996 wurde der Fonds in eine Stiftung umgewandelt, damit Theo Spenden nicht mit dem Staat teilen musste … Das Stiftungsvermögen wird jährlich in der Regel mit 250ʼ000 Franken aus dem wgn geäufnet, und die Stiftung besitzt heute auch Liegenschaften, sie wird zum Beispiel die Alterswohnungen am Kohlistieg übernehmen. Mit 5 Millionen ist die Stiftung Hilfsfonds der grösste Anteilsscheininhaber des wgn.
Anfang Jahr hat René Thoma die operative Leitung übernommen und mit dieser DV wird Fritz Jenny Präsident des wgn. Ihnen allen, zusammen mit den bisherigen und neuen Vorstandsmitgliedern, wünsche ich alles Gute und dass sie das «Erbe» von Theo in Ehren halten und weiterentwickeln.
Und Theo wünsche ich, dass das Kürzertreten seiner Gesundheit förderlich sei, freue mich auf unsere weiteren Begegnungen, sei es im Schoren oder im Kohlistieg und in den Sitzungen der Gebäudeversicherung – und hoffentlich auch beim Charivari, das Valentin und ich auf keinen Fall missen möchten, in Gesellschaft von Theo und der bunten Truppe, die sich da jeweils auf dem Balkon einfindet!
Auf dein Wohl, lieber Theo!
2. Juni 2015