Lieber Michael Bangert,
liebe Karin Schaub,
lieber Franz Osswald,
liebe Künstlerinnen und Künstler,
meine sehr geehrten Damen und Herren
Herzlichen Dank für die Einladung zur heutigen Vernissage, ich bin sehr gerne gekommen und bringe Ihnen die besten Grüsse des Basler Regierungsrates.
«Wenn es ein Paradies gibt, dann kommt es in Brocken ...»
Ist der Titel der Vernissage, nach einem Zitat von Tomi Ungerer, dem grossartigen elsässischen Zeichner, Karikaturisten und Autor, der Anfang dieses Jahres verstorben ist.
«nach vorne erinnern»
ist das Motto des Jubiläumsjahrs der Predigerkirche, die vor 750 Jahren vom Dominikaner und Bischof von Regensburg, Albertus Magnus geweiht wurde.
Zwei vieldeutige Satzfragmente, die zur christkatholischen Kirche passen, wie ich sie erlebe in den letzten Jahren, einer Kirche, die nicht mit einfachen Wahrheiten arbeitet, sondern – ohne sich dabei zu verlieren - jeden von uns bei sich empfängt, mit seiner Eigenart und ihren Gedanken, die neugierig ist auf die Welt um sich herum und darauf reagiert; und die gleichzeitig Zuflucht bietet und Halt denjenigen, die dies in ihren Räumen suchen.
Das Jubiläum will erinnern – an die Gründung durch den Dominikanerorden, der bei der Bauweise der Kirche im Stil der Gotik radikal neue Stilelemente einbrachte und auch einen entscheidenden Beitrag leistete für die Entwicklung des Humanismus am Oberrhein und die damit verbundene Drucktechnik.
Aber eben nicht nur erinnern, sondern «nach vorne» erinnern, eine Formulierung, die uns in jedem Schulaufsatz gestrichen worden wäre, und die ich so lese, dass uns die Vergangenheit dazu dienen soll, die Gegenwart zu verstehen und nach vorne zu blicken und aus den Einsichten aus der Vergangenheit auch Handlungen abzuleiten. So jedenfalls habe ich Geschichte studiert und ziehe ich Nutzen daraus, gerade auch bei meiner Tätigkeit als Politikerin.
Aber warum startet das Jubiläumsjahr der Predigerkirche mit einer Kunstkirche und nicht einem Vortrag über die Dominikaner oder die vergangenen 750 Jahre als Klosterkirche, Fruchtschütte, Begräbnisort, Raum für Armenspeisungen, Salzlager – und schliesslich seit 1877 als Kirche der christkatholischen Gemeinde von Basel-Stadt?
Es ist ja nicht das erste Mal, dass in oder vor der Kirche Kunstinstallationen stattfinden, das hat schon Tradition, ich erinnere an die durchaus auch unheimlichen Installationen zum Totentanz von Peter Greenaway 2013 oder die verspielteren und auch genussvollen von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger 2016, die beide zum Nachdenken über die Begrenztheit unserer menschlichen Existenz anregten.
Und zum Nachdenken anregen sollen auch die Kunstwerke und Installationen, die zur Feier dieses Jubiläums eigens für die Predigerkirche geschaffen worden sind und die mit dem Raum der Kirche arbeiten. Zum Nachdenken anregen oder wie es Michael Bangert sagt, die Kunstwerke sollen unserer Zeit angemessene Bilder sein – und damit eine Sprache für unsere eigentlich unsagbaren Inhalte.
Unsagbare Inhalte? Ich dachte, Religion und deren Kleid, die Kirche, gibt uns Antworten auf die «ewigen Fragen»?
Aber ich habe es zu Beginn gesagt, das ist die Sache der christkatholischen Kirche in ihrem heutigen Kleide nicht. Denken müssen wir selber, wo wir herkommen, ist nicht eindeutig und wo wir hingehen auch nicht. Und dann klingt alles so weltlich:
„Wenn es ein Paradies gibt, dann kommt es in Brocken, in kleinen Brocken, hier und da, kleine Momente ...“
So geht das Zitat von Tomi Ungerer weiter. Das Paradies – das sind die kleinen Glücksmomente im Leben, die für jeden von uns andere sind. «Was ist Glück?» war einmal der Titel einer Serie in der Reihe «Sternstunden», die seit Jahren hier in der Kirche abgehalten werden und bei der Menschen aus ganz verschiedenen Zusammenhängen «predigen» dürfen.
Auch ich durfte das einmal tun und ich erzählte als Erstes von einem Moment, den ich in der Tat nie vergessen werde: Ferien im Wohnmobil, meine Kinder noch sehr klein, ich hatte einen Bandscheibenvorfall gehabt und konnte noch nicht lange Sitzen, ich legte mich hinten aufs Bett und meine Jungs krabbelten zu mir hoch und lagen neben mir, spielten und plauderten – ein Moment perfekten Glücks! Ein Brocken Paradies eben …
Und nun freue ich mich darauf, mich mit Ihnen auf die „Brocken“ einzulassen, die Urs Cavelti, Lorenza Diaz, Monika Dillier, Kilian Rüthemann, das Duo Studer/van den Berg sowie Beat Zoderer in der Kirche plaziert haben und zu sehen, wie sie künstlerisch auf die Geschichte und Bedeutung der Predigerkirche eingehen.
Den Künstlerinnen und Künstlern, den Ausstellungsmachern sowie allen an diesem Projekt Beteiligten wünsche ich, dass diese inspirierende Ausstellung zahlreiche Besucherinnen und Besucher anzuziehen und Impulse für den Beginn der kommenden 750 Jahre zu setzen vermag. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
31.5.2019