25. September 2018: Begrüssung anlässlich der Saisoneröffnung «Kaserne Globâle» in der Kaserne Basel
Lieber Sandro Lunin, liebes Team der Kaserne
Liebe Künstlerinnen und Künstler
Meine sehr geehrten Damen und Herren
Liebe Freundinnen und Freunde der Kaserne
Im Namen des Regierungsrates begrüsse ich Sie und euch herzlich zum Saisonstart der Kaserne Basel und damit zum Start des neuen künstlerischen Leiters Sandro Lunin mit seinem Team.
Die Kaserne Basel existiert als Kulturbetrieb nun seit 38 Jahren und ich darf sagen, ich kenne sie fast so lange! Sie hat meine Studienzeit begleitet, war absorbierender Arbeitsort und es ist für mich immer ein Heimkommen, wenn ich auf die Kasernenmatte komme oder in die KaBar – für mich immer noch die Rössli-Beiz …
Als Veranstaltungsort hat sie viel mitgemacht, es gab Höhepunkte und Tiefpunkte, künstlerisch wie finanziell. Heute steht sie in beiderlei Hinsicht gut da. Sie ist unbestritten das grösste Zentrum in der Nordwestschweiz und darüber hinaus für die freie zeitgenössische Theater-, Tanz- und Performanceszene sowie für innovative Populärmusik. Sie ist sowohl Koproduktionspartnerin für Basler Compagnies als auch Spielstätte für nationale und internationale Tanz- und Theaterschaffende, Bands, Musikerinnen und Musiker.
«Wie umgehen mit der globalen Migration? Mit Populismus und Abgrenzung ist es jedenfalls nicht getan. Mit dem Negieren der Ängste breiter Bevölkerungskreise aber auch nicht. Viel Aufklärungsarbeit ist notwendig und im gegenseitigen Blickkontakt schwinden Vorurteile, wachsen Verständnis und Respekt. Dazu kann Kultur viel beitragen.»
Ich freue mich, mit euch zusammen Sandro Lunin als neuen Leiter der Kaserne zu begrüssen. Er ist eine DER Grössen der freien zeitgenössischen Theater-, Tanz- und Performanceszene und es ist ein Glücksfall, dass er für die Übernahme des Stabs aus den Händen von Carena Schlewitt gewonnen werden konnte. Seit dem Frühsommer ist er präsent in Basel, ich treffe ihn an so vielen Anlässen – er ist in Basel angekommen. Und er macht das so sorgfältig: Er respektierte unsere Trauer über den Abgang von Carena, war zu Beginn einfach auch da, bescheiden im Hintergrund, zeitlich immer öfter und hat subtil und zielstrebig seinen Start aufgebaut.
Und was für einen Start! «Nach dem Theaterfestival gleich noch einmal ein Festival, kann das gut gehen?», dachte ich zuerst – bis ich das Programm sah, ein Feuerwerk an spannenden Produktionen und aus aller Welt. Es wird gut gehen!
Sorgfältig, sagte ich: Ich finde es so wohltuend, dass Sandro nicht den Eindruck erweckt, dass er alles runterreissen will, was Carena aufgebaut hat, wie es viele Nachfolger – ich bleibe hier bei der männlichen Form… – oft meinen tun zu müssen. Sein Start verspricht sowohl Kontinuität als auch Wandel und Weiterentwicklung, und gleichzeitig spürt man schon eine Handschrift und einen klaren Kompass. Auch künftig wird die Kaserne Basel Talente entdecken, Innovation fördern, die Kraft von Kooperationen mit anderen Kulturanbietern in der Stadt und der Region nutzen, nationale und internationale Netzwerke knüpfen und sowieso: Produktionen von höchster Qualität auf die Bühne bringen.
Vielleicht noch stärker als bisher oder auf eine andere Weise wird uns die Kaserne die Welt nach Basel bringen und Basel mit der Welt verknüpfen. «Kaserne Globâle» – der Titel des ambitionierten Eröffnungsprogramms ist ein Versprechen und zeigt Sandros hohes Interesse am interkulturellen und interkontinentalen Austausch. Und was mir natürlich speziell gefällt, ist sein Fokus auf Frauen, es ist ein richtiges Frauenprogramm! Frauen performen, singen und musizieren, wir sehen Frauen als Akteurinnen, nicht nur als beliebtes Thema oder umschwärmtes Objekt… Es gibt sie also, die Frauen in der Kunst, in allen Ländern, man muss sie nur suchen.
«In der Kaserne Basel soll ein Zentrum entstehen, das vielfältige Nutzungen ermöglicht und vielen Kreativ- und Kulturschaffenden, aber auch den Quartier- und Stadtbewohnern eine neue Heimat mitten im Zentrum der Stadt bietet.»
Die Kaserne lädt uns in den nächsten zwei Wochen ein zur Begegnung mit der Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern aus Berlin, Basel, Beirut, Ramallah, Kairo, Kisangani, Johannesburg und Kapstadt. Sie setzt hierbei auf Zusammenarbeiten und Austausch über Spartengrenzen, Kontinente, Sprachen und Kulturen hinweg und setzt auf Begegnungen auf Augenhöhe.
Damit widmet sich die Kaserne dem dominierenden Thema unserer Zeit: Globalisierung und Migration und damit der Einsicht, dass das Zusammenwachsen der Welt durch immer bessere Transportmöglichkeiten und das allgegenwärtige Internet nicht nur Waren über den Erdball schickt und die gleiche Konsumwelt auf jedem Handy abbildet und damit Erwartungen weckt, sondern dass sich in der Folge auch Menschen in Bewegung setzen, um andere Weltgegenden zu erkunden bzw. dies infolge von Kriegen oder wegen der ungleichen Auswirkungen der Globalisierung tun müssen.
Wie wir mit diesen realen Bewegungen der Menschen über den Globus hinweg umgehen, wird unsere Gesellschaften in den nächsten Jahrzehnten prägen. Mit Populismus und Abgrenzung ist es jedenfalls nicht getan. Mit dem Negieren der Ängste breiter Bevölkerungskreise aber auch nicht. Viel Aufklärungsarbeit ist notwendig und im gegenseitigen Blickkontakt schwinden Vorurteile, wachsen Verständnis und Respekt. Dazu kann Kultur viel beitragen.
Nahezu zeitgleich mit der Saisoneröffnung der Kaserne Basel startet die Sanierung des Hauptbaus und der Klingentalkirche, die bis 2021 dauern wird. Das Areal wird durch das hier entstehende Kreativ-, Kultur- und Quartierzentrum noch weiter an Attraktivität und Ausstrahlung gewinnen. Der Theater- und Musikbetrieb Kaserne ist mittendrin und wird auch künftig ein Herzstück sein.Mit dem Bezug des Hauptbaus wird er ganz neue Möglichkeiten erhalten, um die Zusammenarbeit mit internationalen Gästen für hier erarbeitete Programme und Produktionen zu ermöglichen.
Die integrative und partnerschaftliche Haltung, die das Eröffnungsprogrammder Kaserne Basel in der Saison 2018 zeigt, stimmt mich zuversichtlich für das Gelingen der gesamten Arealentwicklung. Denn hier soll ein Zentrum entstehen, das vielfältige Nutzungen ermöglicht und vielen Kreativ- und Kulturschaffenden, aber auch den Quartier- und Stadtbewohnern eine neue Heimat mitten im Zentrum der Stadt bietet. Ich wünsche der Kaserne Basel unter der Leitung von Sandro Lunin alles Gute für die erste Saison und die weiteren Jahre! Ihnen, verehrtes Publikum, wünsche ich inspirierende Erlebnisse, spannende und bereichernde Begegnungen mit der Kunst und mit den Künstlerinnen und Künstlern.
25.9.2018