Forum des gemeinnützigen Wohnungsbaus
Begrüssung von Ständerätin Eva Herzog
Basel, 18. September 2026
Geschätzte Damen und Herren,
liebe Vertreterinnen und Vertreter der Wohnbaugenossenschaften,
liebe Kolleginnen und Kollegen
Herzlich willkommen zum Forum des gemeinnützigen Wohnungsbaus – und für mich als Baslerin natürlich besonders schön: herzlich willkommen in Basel.
Wir feiern heute 100 Jahre Ideen fürs Wohnen. Das ist ein schönes Jubiläum – aber vor allem ein Auftrag für die Zukunft. Denn die Frage nach genügend gutem und bezahlbarem Wohnraum ist heute wieder hochaktuell.

Der Wohnungsmarkt hat sich in den letzten Jahren deutlich angespannt. Nicht überall in der Schweiz herrscht Wohnungsnot, aber in immer mehr Städten, Agglomerationen und Tourismusregionen wird es schwierig, überhaupt eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden. Besonders betroffen sind Menschen mit kleinen Einkommen, zunehmend aber auch Haushalte mit mittleren Einkommen.
Gleichzeitig wissen wir: Mehr bauen allein genügt nicht. Entscheidend ist auch, was wir bauen, für wen wir bauen – und ob dieser Wohnraum langfristig bezahlbar bleibt.
Genau hier hat der gemeinnützige Wohnungsbau eine besondere Stärke. Wohnbaugenossenschaften denken langfristig. Sie schaffen preisgünstigen Wohnraum nach dem Prinzip der Kostenmiete und Lebensräume, die soziale, ökologische und gesellschaftliche Bedürfnisse miteinander verbinden. Seit über hundert Jahren reagieren sie auf Wohnungsnot und gesellschaftliche Veränderungen mit neuen Lösungen – und genau diese Innovationskraft brauchen wir auch für die nächsten hundert Jahre.

Politisch ist einiges in Bewegung. Mit dem Aktionsplan gegen die Wohnungsknappheit haben Bund, Kantone, Städte, Gemeinden und weitere Akteure anerkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Das ist wichtig. Aus unserer Sicht greift der Aktionsplan aber zu kurz: Es fehlen verbindliche Massnahmen und klare Zielsetzungen. Vieles setzt auf Information, Empfehlungen und freiwillige Zusammenarbeit. Angesichts der angespannten Lage reicht das nicht.
Wenn wir dauerhaft mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen, braucht es politische Instrumente, die tatsächlich Wirkung entfalten. Dazu gehören aus unserer Sicht vor allem drei Dinge: eine aktive Bodenpolitik, verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen, welche die Kostenmiete und damit langfristig bezahlbaren Wohnraum sichern.
Beim Boden ist die Ausgangslage besonders schwierig. Gerade dort, wo die Wohnungsnot am grössten ist, sind Grundstücke knapp und teuer. Deshalb braucht es eine aktive Bodenpolitik: Städte und Gemeinden sollten strategisch Grundstücke sichern und sie langfristig im Baurecht für den gemeinnützigen Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Ohne Zugang zu Boden bleibt jeder Förderwille begrenzt. Basel-Stadt hat hier wichtige Schritte gemacht und zeigt, welche Möglichkeiten eine active Bodenpolitik eröffnet.
Ebenso zentral ist die Finanzierung. Die bewährten Instrumente der Wohnraumförderung ermöglichen es Genossenschaften, zu tragbaren Bedingungen zu bauen, zu erneuern und Liegenschaften zu erwerben. Diese Instrumente müssen nicht nur weitergeführt, sondern so ausgestaltet werden, dass sie den heutigen Herausforderungen tatsächlich gerecht werden.
Und schliesslich die Kostenmiete: Sie ist kein technisches Detail, sondern ein Grundprinzip des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Wer gemeinnützig baut, soll seine Kosten decken können – aber keine spekulativen Renditen erzielen. Genau darin liegt der Unterschied zum gewinnorientierten Wohnungsmarkt und genau darin liegt auch ein Teil unserer Antwort auf die Wohnungsnot.
Das heutige Forum zeigt, dass wir dabei nicht bei Forderungen stehen bleiben müssen. Wir können hier in Basel auf hundert Jahre Erfahrung, viele innovative Projekte und sehr viel Wissen in unseren Genossenschaften zurückgreifen. Es lohnt sich, voneinander zu lernen – und zugleich den Mut zu haben, Bestehendes neu zu denken.

Mein herzlicher Dank geht an Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz, an alle, die dieses Forum organisiert haben, sowie an unsere Partner und Sponsoren, die diesen Anlass möglich machen.
Und nun freue ich mich auf einen inspirierenden Tag, auf gute Diskussionen – und darauf, gemeinsam nicht nur auf die vergangenen hundert Jahre zurückzublicken, sondern vor allem die nächsten hundert Jahre des gemeinnützigen Wohnens in den Blick zu nehmen.
Herzlichen Dank.