23. Mai 2019: Grusswort an der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes
Sehr geehrte Frau Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds,
Sehr geehrte Frau Biedermann, Präsidentin des mitorganisierenden Basler Kantonalverbands,
Liebe Monika Hungerbühler, Theologin in Basel, Co-Leiterin der Offenen Kirche Elisabethen
Liebe Delegierte, liebe Gäste
Ich freue mich sehr, dass Sie Ihre diesjährige Delegiertenversammlung bei uns in Basel abhalten und ich darf Sie im Namen des Regierungsrates ganz herzlich willkommen heissen.
Gemäss Ihrer Strategie 2020 sind es vier strategischen Richtlinien, die Ihr Handeln bestimmen:
- Gerechtigkeit fordern und Solidarität fördern
- Einfluss nehmen und die Interessen der Mitglieder vertreten
- Freiwilligenarbeit stärken und Frauen vernetzen
- Kirche gestalten und Spiritualität leben
Das klingt harmlos, wenn ich das so sagen darf, vertieft frau sich dann aber in die Stichworte, die unter diesen Überschriften stehen, dann wird es zum Teil sehr kämpferisch und je mehr ich auf Ihrer Homepage oder in anderen Dokumenten und Schriften gelesen habe, desto mehr habe ich mich gefreut!
In für mich unerwarteter Deutlichkeit haben Sie im November letzten Jahres auf den Kirchenaustritt der sechs prominenten Katholikinnen reagiert.
(Hintergrund: Papst Franziskus hatte Abtreibung als Auftragsmord bezeichnet, auf seiner Homepage lässt SKF Juristinnen die Frage diskutieren, ob hier Ehrverletzung vorliegt, Abtreibung ist schliesslich nicht strafbar.)
In Ihrer Medienmitteilung hiess es wörtlich:
„Lange bevor sich die Frauen gemeinsam von der römisch-katholischen Kirche abgewandt haben, hat sie sich von ihnen abgewandt. Und auch wenn sich die Frauen vordergründig selber von der Kirche ausgeschlossen haben: Sie waren im Grunde schon längst Ausgeschlossene. Jahrzehntelang waren sie mit einer Institution solidarisch, die mit ihnen nie solidarisch gewesen ist. … So wenig wir uns mit der Ungerechtigkeit in der Welt abfinden, so wenig finden wir uns mit jener in der eigenen Kirche ab und halten an der Forderung umfassender Gleichwertigkeit fest – am Geschwister-Sein von Gleichgestellten.
…
Es sind vorwiegend Frauen, die dienen, und vorwiegend Männer, die bestimmen. Nicht weil sie besser ausgebildet, begabter oder berufener wären, sondern weil sie Männer sind. Das, was nicht Verdienst der einen und nicht Versagen der anderen ist, macht den entscheidenden Unterschied: das Geschlecht.“
Das sind starke Worte. Ich hatte schon damals recht gestaunt, als ich den Titel des Schreibens las, das Frauen aus Ihren Reihen (u.a. Monika Hungerbühler) an Bischof Felix Gmür schickten als Vorbereitung auf das Gespräch, das am 19. Juni stattfinden wird:
„Wir haben es satt!“
Die darin gestellten Forderungen haben es in sich, insbesondere Forderung 5, dass keine Männer mehr zu Diakonen und Priestern geweiht werden sollen, bis der Zugang zu diesen Ämtern auch Frauen offensteht.
Eine Aufforderung zum Streik! Und auch das wollen Sie tun, am 14. Juni werden wir zusammen streiken! Sie werden streiken, weil, ich zitiere aus dem flammenden Text von Jacqueline Keune:
„…weil katholische Seelsorgerinnen allein aufgrund ihres Geschlechts immer noch abgewertet und ausgeschlossen werden. Und weil die Kirche immer noch von Frauen getragen und von Männern geführt wird und die Ungleichheit nicht bloss in ihren Strukturen, sondern gar in ihrem «Recht» grundgelegt ist.
Mit Geduld werden wir die Verhältnisse des Unrechts nicht verändern und erst recht nicht beseitigen, das haben wir über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg erfahren und gelernt.“
Das können wir glaub alle unterschreiben! Und ganz nach dem Motto: „Geduld ist eine Zier, doch besser geht es ohne ihr…“ haben auch wir hier in Basel-Stadt nach einem Mittel der Beschleunigung gesucht, und so unser Kanton 2014 als erster und bislang einziger Kanton eine Geschlechterquote bei den Aufsichts- und Strategiegremien der staatsnahen Betriebe eingeführt. Dies übrigens sehr erfolgreich. Fünf Jahre nach der Einführung ist die Geschlechterquote bei allen öffentlichen Unternehmen erfüllt, der Frauenanteil liegt bei 42,3% und übertrifft damit die geforderte Drittelsquote bei weitem. Qualifizierte Frauen zu finden war überhaupt kein Problem.
Darüber hinaus haben wir beim Arbeitgeber Basel-Stadt ein regelmässiges Chancengleichheitsreporting mit Zielsetzungen für die einzelnen Departemente. Dabei wird auch die Einhaltung der Lohngleichheit von Frau und Mann regelmässig überprüft, 2016 hat der (unerklärte) Lohnunterschied noch 2,4% betragen.
Aber auch für uns gilt natürlich, dass noch mehr Frauen in leitenden Funktionen sein sollten, mehr Männer Teilzeit arbeiten sollten und wir immer noch Bedarf an Ausbau der Tagesbetreuungsstätten haben – wir sind dran und weil noch immer gilt, dass Frauen weniger verdienen als Männer, Frauenberufe schlechter bezahlt sind und Frauen den Grossteil der Care-Arbeit leisten, werden wir streiken am 14. Juni!
Grossartig finde ich diesbezüglich die Anleitung fürs Basteln einer Mitra auf Ihrer Homepage, ich kann ja meinen selbstgestrickten Pussyhat hervorholen!

Als Finanzdirektorin bin ich ja auch zuständig für den Verkehr mit den öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften, ein sehr weltliches Band, beruht es doch darauf, dass wir den Kirchen und der jüdischen Gemeinde die Steuerdaten zur Verfügung stellen fürs Eintreiben ihrer Mitgliederbeiträge – bzw., seit der Abstimmung letzten Sonntag, werden wir auch die Veranlagung und das Inkasso der Mitgliederbeiträge übernehmen, um die Kirchen finanziell zu entlasten.
Und in dieser Zuständigkeit haben wir letzthin etwas gewagt: Im Rahmen der Vernehmlassung zum Entwurf der neuen Verfassung der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt haben wir empfohlen, die Kirchenverfassung dahingehend zu ändern, dass sie nicht nur geschlechtsneutral formuliert ist, sondern darüber hinaus ausdrücklich festhält, dass die Gleichstellung von Mann und Frau bei der Besetzung der Leitung der Pfarrei insbesondere in Bezug auf gleiche Arbeitsbedingungen und gleichen Lohn gewährleistet ist. Dieser Empfehlung ist die Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt gefolgt, die Kirchenverfassung wurde entsprechend angepasst. Abgestimmt darüber wird am 16. Juni.
Mehr Gleichstellung konnten wir nicht fordern, da zuerst das Kirchenrecht und die kirchliche Verfassung revidiert werden müsste, wie Sie es ja in Ihrem Forderungskatalog haben.
Damit komme ich zum Schluss. Ich bin beeindruckt vom Schweizerischen Katholischen Frauenbund, ich wünsche Ihnen alles Gute und die Erfüllung all Ihrer Forderungen! Schon im Gedenken an meine Mutter, der im wörtlichsten Sinn die Hölle heiss gemacht wurde, als sie einen Protestanten heiraten wollte – was sie natürlich trotzdem getan hat. Und im Gedenken an eine andere Verwandte, die ihr Leben lang in einen katholischen Priester verliebt war, diese Beziehung nicht offen leben und nie eine Familie gründen konnte.
Auf dass Sie, die Frauen in der katholischen Kirche, die gleichen Rechte erhalten mögen wie die Männer und dass das unselige Zölibat abgeschafft werde. Und zwar bald! Die katholische Kirche kann ohne Sie ihren Seelsorgeauftrag nicht erfüllen – nutzen Sie diese Macht!