5. Mai 2018: Begrüssung an der Bundeskonferenz der Pfadibewegung Schweiz beim Empfang im Basler Rathaus
Liebe Kantonsleiterinnen und Kantonsleiter
Liebe Mitarbeitende der Bundesebene
Liebe Mitglieder des OK
Oder einfach: Liebe Pfadis
Vor zehn Jahren waren Sie zum letzten Mal in unserer Region und zum ersten Mal überhaupt findet die Bundeskonferenz der Pfadibewegung Schweiz in Basel statt. Ich freue mich sehr, Sie im Namen des Basler Regierungsrates hier im Rathaus begrüssen zu dürfen.
Ich lege meine Karten gleich auf den Tisch: Ich war nie bei den Pfadis, ich bin zwar auf Bäume geklettert, wir hatten in meinem Wohnumfeld noch eine «Wildnis» mit einem leerstehenden Haus, ich bin lange Zeit mit Velo und Zelt in die Ferien gefahren und campiere heute wild, allerdings im Camper… aber eben, die Pfadi-Erfahrung fehlt mir. Meine Legitimation, heute hier vor Ihnen zu stehen ist die: Ich bin eine begeisterte Mutter eines Wölfli-Leiters – der ein anderer Mensch wäre, gäbe es die Pfadis nicht, davon bin ich überzeugt.
«Ich bin eine begeisterte Mutter eines Wölfli-Leiters – der einanderer Mensch wäre, gäbe es die Pfadis nicht, davon bin ich überzeugt.»
Dass aus einem geselligen Buben – stets dazu bereit, jeden Quatsch mitmachen, in der Schule leicht verträumt und auf Kriegsfuss mit schön Schreiben, Ordnung halten in den Heften und überhaupt mit der Organisation des Schulalltags – ein verantwortungsbewusster junger Mann geworden ist, das ist auch ganz stark das Verdienst der Pfadis.
Bei den Pfadis geht es eben um etwas… Man ist Teil eines Ganzen, gelingt eine Übung, sieht man das Glück in den Augen der Kinder, und wenn man seinen Part nicht erfüllt, dann sieht man die Konsequenzen: Es beeinträchtigt eben andere. Draussen sein bei Wind und Wetter – mein Sohn Valentin friert nie – trocken oder nass, dreckig und dank Flussbad wieder sauber – der Rucksack des ersten Pfingstlagers mit der sauberen Wäsche kam unausgepackt zurück – war das bei allen so? Löcher graben, Sie wissen welche, Valentin ist Spezialist, Holz sammeln, abwaschen – na, da drückt er sich, wenn es geht, aber wir stellen zu Hause trotzdem fest, er kann es.
Ein verantwortungsbewusster junger Mann und schon in Leitungsfunktion, genau: die Pfadihocks, das Vorbereiten, Organisieren, die guten Kurse, die es gibt mit dicken Ordnern, J+S-Leiter, Nothelfer – das sind Dinge fürs Leben. Und daneben Kind bleiben. Den Osterhasen spielen bei den Wölfli, und um die Existenz des Osterhasen glaubhaft zu machen, den Kindern sagen, dass nur sie ihn sehen, und sie glauben es! Und eine kindlich-erwachsene Freude daran haben.
Und – jetzt höre ich dann auf zu schwärmen – wenn mein noch nicht solange Grosser sagt: «D Kinder!», mit einem Stossseufzer, wenn sie Heimweh haben in den Lagern, heulen, wie er sie abzulenken sucht, ich bin dann einfach gerührt und berührt.
«Wir Politikerinnen und Politiker haben durchaus Gemeinsamkeiten mit den Pfadis, auch wir setzen uns fürs Gemeinwohl ein. ‹Jeden Tag eine gute Tat› könnte auch unser Leitsatz sein – allerdings ist es bei uns schwieriger, zu definieren, was eine gute Tat ist, genau darüber streiten wir uns ja unermüdlich in der Politik.»
Und dafür danke ich Ihnen allen, Ihnen, die schon seit Jahrzehntenbei den Pfadis sind, Ihre Freizeit dafür einsetzen, viele mit dem Pensum einer Teilzeitstelle, aber ehrenamtlich – und dies in einer Zeit, in der nur zählt, was bezahlt wird. Dafür danke ich Ihnen von Herzen und wünsche Ihnen, dass es Ihnen noch ganz lange ganz grosse Freude macht. Ihr Lohn ist, dass Sie konkret sehen, was Sie bewirken, was aus den Stadtpflänzli wird, die mit grosser Begeisterung Samstag für Samstag durch den Wald tollen und die Welt erobern, während sie gleichzeitig lernen, sich in eine Gruppe zu integrieren und aufeinander zu achten – o.k., ich weiss um die Ringkämpfe, eine Weile hörte ich zu Hause von nichts anderem, aber das muss offenbar sein und auch hier gibt es klare Regeln.
Oder der Hike, was habe ich mich gewundert, als ich zum ersten Maldavon hörte, wo man sich durchschlagen muss, Essen und eine Unterkunft suchen muss und notfalls auch auf einer Parkbank schläft. Hoffentlich kann man das noch lange machen, heute wird so viel verboten.
Wir Politikerinnen und Politiker haben ja durchaus Gemeinsamkeiten mit Ihnen, auch wir setzen uns fürs Gemeinwohl ein – zumindest sehe ich das so. «Allzeit bereit» und «Jeden Tag eine gute Tat» könnten auch unsere Leitsätze sein – allerdings ist es bei uns schwieriger, zu definieren, was eine gute Tat ist, genau darüber streiten wir uns ja unermüdlich in der Politik… Mir kommt dann immer der Pfadiwitz in den Sinn, mit der älteren Dame, die am Strassenrand steht und sich unter grossem Protest von einem hilfsbereiten Pfadi über den Fussgängerstreifen bugsieren lässt… Aber ich will mich der Illusion hingeben, dass dies unsere Tätigkeit nicht umfassend beschreibt!
Während die Mitgliederzahlen von Parteien abnehmen, wächst Ihre Bewegung. In den letzten Jahren hatten Sie einen Zuwachs von 7 Prozent, das ist beeindruckend, das ist Ihr Verdienst und dazu gratuliere ich Ihnen ganz herzlich.
Nun wünsche ich Ihnen allen ein erfülltes und spannendes Wochenende hier in Basel und der Pfadi-Bewegung alles Gute für die Zukunft.
Nochmals ganz herzlichen Dank für Ihren grossen Einsatz, geniessen Sie das Wochenende in Basel und kommen Sie wieder!
5. Mai 2018