Umfrage zur Einkommenssituation und
sozialversicherungsrechtlichen Absicherung von
Kulturschaffenden


Seit 20 Jahren machen Kulturorganisationen auf die Problematik der
lückenhaften sozialen Absicherung von freien Kulturschaffenden
aufmerksam (vgl. dazu Umfragen von Suisseculture Sociale von 2006 und 2016: http://suisseculturesociale.ch/index.php?id=151)


Es wurde auf verschiedenen Ebenen seitdem bereits einiges zur
Verbesserung der Situation geleistet, aber stückweise und nicht
konsequent. Die Covid-19-Krise hat die prekäre Lage der freien
Kulturschaffenden verdeutlicht und sie breiten politischen Kreisen erst
bewusst gemacht. Die wichtigen befristeten Unterstützungsmassnahmen
im Zeichen der Corona-Krise sollen das Überleben der Kulturschaffenden
und letztlich der Branche sichern, aber es ist deutlich geworden, dass es
konsequente Massnahmen über die derzeitige Nothilfe hinaus braucht,
denn ohne solche verschwinden die vorher schon existierenden Lücken im
Sozialsystem nicht, im Gegenteil, sie drohen sich zu vergrössern.

Um Lösungsansätze für die Schliessung dieser Lücken im
Sozialversicherungssystem zu erarbeiten, ist eine gesicherte Datenlage
zur aktuellen Einkommens- und sozialversicherungsrechtlichen Situation
der Kulturschaffenden notwendig sowie ein breites Verständnis der
verschiedenen freien Arbeitsformen, die im Kulturbereich verbreitet sind.
Aus diesem Grund hat Suisseculture Sociale, unterstützt von der
Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, das Forschungs- und
Beratungsbüro Ecoplan AG damit beauftragt, die Einkommenssituation
und die sozialversicherungsrechtliche Absicherung von Kulturschaffenden
zu untersuchen. Zu diesem Zweck ist mit heutigem Tag eine Umfrage
lanciert worden, mit welcher Kulturschaffende nach ihrer Einkommens-
und der sozialversicherungsrechtlichen Situation befragt werden
(www.sozialesicherheit-kulturschaffende-2021.ecoplansurvey.ch). Dabei
wird insbesondere möglichen Unterschieden in den verschiedenen
Landesteilen Rechnung getragen, denn die Arbeitsstrukturen der
Kulturschaffenden unterscheiden sich sprachregional teilweise
beträchtlich, dies auch aufgrund unterschiedlich strukturierter
Kultursysteme. So arbeiten beispielsweise in der Deutschschweiz
vermutlich mehr Kulturschaffende als Selbständige denn als
Freischaffende, wohingegen in der französischen Schweiz viele in
mehrfachen befristeten Anstellungen (sog. «Intermittents») engagiert
sind.

Die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse sollen es ermöglichen,
tragfähige Vorschläge zu machen für eine nachhaltige soziale
Absicherung der Kulturschaffenden, vom Bühnenkünstler über die
Autorin bis hin zur Lichttechnikerin und zum Gameentwickler.

Als Ständerätin des Kantons Basel-Stadt und Mitglied einer ad hoc
zusammengestellten Arbeitsgruppe (u.a. mit Mitarbeitenden vonSuisseculture Sociale, Verbänden, Kantonen, Pro Helvetia und Mitgliedern
des Parlaments) ist es mir ein grosses Anliegen, das Anliegen zu
unterstützen, damit wir in 10 Jahren nicht feststellen müssen, dass
diejenigen, die uns diese unzähligen wunderbaren Kulturerlebnisse
ermöglichen, die wir jetzt so schmerzlich vermissen, zu weiten Teilen
immer noch in prekären und vorsorgeschwachen finanziellen Verhältnissen
leben.


Eva Herzog, Ständerätin Basel-Stadt, SP